Lucas · Kapitel 8Zur Bibliothek
Oberlehrer auf dem Waldweg
Kapitel 8

Lucas

Besuch aus dem Dorf
Lucas · Besuch aus dem Dorf

Im Dorf hatte sich in den vergangenen Tagen herumgesprochen, dass tief im Wald, etwa eine halbe Stunde entfernt, ein Kohlenmeiler brannte.

Auch Oberlehrer Johannes Keller hatte davon erfahren.

Seit vielen Jahren unterrichtete er die Kinder des Dorfes. Er war überzeugt, dass manches besser mit eigenen Augen zu verstehen war als nur aus Büchern.

Als er eines Morgens aus dem Fenster seines Klassenzimmers auf die bewaldeten Hügel blickte, kam ihm ein Gedanke.

„Ein Besuch am Kohlenmeiler wäre ein wunderbares Schulprojekt.“

Die Schüler könnten sehen, wie Holzkohle hergestellt wurde und warum ein Meiler Tag und Nacht bewacht werden musste.

Doch ohne Anmeldung konnte man dort nicht einfach erscheinen.

Am Kohlenmeiler wurde gearbeitet.

Der Oberlehrer wollte Max und Lucas nicht überraschen.

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Lucas · Besuch aus dem Dorf

Bevor er mit Friedrich über seinen Plan sprach, wollte sich der Oberlehrer zunächst selbst informieren.

„Etwas Bescheid zu wissen kann nicht schaden“, sagte er zu sich selbst.

Er ging zu dem Bücherregal in seinem Arbeitszimmer und suchte nach einem Werk über die alten Handwerke der Heimat.

Schließlich fand er ein abgegriffenes Buch.

Auf dem Einband stand: „Handwerke und Gewerbe unserer Heimat“.

Er las von sorgfältig geschichtetem Holz, von Reisig, Erde und Zuglöchern.

Er erfuhr, dass ein Meiler niemals zu viel Luft bekommen durfte und dass kleine Fehler die Arbeit vieler Tage zunichtemachen konnten.

Je länger er las, desto größer wurde sein Respekt vor der Köhlerei.

„Das ist weit schwieriger, als ich gedacht habe.“

Nun verstand er noch besser, warum ein Besuch vorbereitet werden musste.

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Der Oberlehrer wollte jedoch nicht zu Friedrich gehen, ohne vorher zu wissen, wie es dem verletzten Flößer ging.

Die Nachricht von dem Unfall hatte sich im Dorf schnell verbreitet.

Er nahm seinen Hut und machte sich durch die schmalen Gassen auf den Weg.

Links und rechts standen alte Fachwerkhäuser dicht beieinander.

Aus einer Schmiede klang das rhythmische Schlagen eines Hammers.

Vor der Bäckerei lag der Duft von frischem Brot in der Luft.

Einige Kinder grüßten ihn freundlich.

Schließlich blieb er vor dem Haus mit dem schlichten Schild stehen.

Darauf stand nur ein Wort:

„Doktor“

Er klopfte an die Tür.

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Lucas · Besuch aus dem Dorf

Der ältere Arzt öffnete und bat ihn herein.

„Ich wollte mich nach dem verletzten Flößer erkundigen“, erklärte der Oberlehrer.

Der Doktor nickte.

„Die Schwellung ist bereits etwas zurückgegangen. Das ist ein gutes Zeichen.“

„Wird er wieder laufen können?“

„Davon gehe ich aus. Aber die Heilung wird langsam vorangehen, und er wird viel Geduld brauchen.“

Der Arzt wurde ernst.

„Er hatte großes Glück. Der Stamm hätte seinen Fuß auch vollständig zerquetschen können.“

Er schwieg einen Moment.

„Der Fuß hätte verloren sein können.“

Der Oberlehrer atmete tief aus.

Die positive Nachricht erleichterte ihn sichtbar.

Er bedankte sich beim Doktor und verließ dessen Haus.

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Lucas · Besuch aus dem Dorf

Mit der guten Nachricht machte sich der Oberlehrer auf den Weg zu Friedrichs Bauernhof.

Nach einer halben Stunde führte ihn der Weg tief durch den Wald.

Er genoss die Wanderung.

So oft kam ein Oberlehrer nicht hinaus zwischen die Fichten.

Sein Beruf verlangte viel Zeit. Jeder Unterrichtstag musste vorbereitet, jede Aufgabe durchdacht und jedes Buch sorgfältig gelesen werden.

Für lange Waldwege blieb selten Gelegenheit.

Umso mehr überraschten ihn die vielen Geräusche.

Ein Specht klopfte an einen alten Stamm.

Ein Eichelhäher rief laut zwischen den Wipfeln.

Aus einem Gebüsch sang ein Rotkehlchen.

Der Oberlehrer blieb mehrmals stehen und lauschte.

„Wie viele Stimmen dieser Wald doch hat.“

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Schließlich erreichte er Friedrichs Bauernhof.

Vor dem Haus arbeitete Friedrichs Frau im Bauerngarten.

Zwischen Kartoffeln, Karotten, Salat und Bohnen lockerte sie die Erde mit einer kleinen Hacke.

Als sie den Oberlehrer sah, legte sie das Werkzeug beiseite und kam durch das Gartentor.

„Guten Tag, Herr Oberlehrer.“

„Guten Tag.“

Sie reichte ihm die Hand.

„Schön, dass Sie uns einmal besuchen. Was führt Sie zu uns?“

Der Oberlehrer lächelte.

„Eigentlich zwei Dinge.“

Zuerst berichtete er von der guten Nachricht des Doktors.

Friedrichs Frau atmete erleichtert auf.

„Das freut mich sehr.“

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Lucas · Besuch aus dem Dorf

In diesem Augenblick kam Friedrich aus dem Kuhstall.

Als er den Oberlehrer sah, ging er ihm mit einem Lächeln entgegen.

„Herr Oberlehrer! Das ist aber eine Überraschung.“

Er begrüßte ihn mit einem festen Händedruck.

Der Oberlehrer zuckte unwillkürlich etwas zusammen.

Friedrich musste schmunzeln.

„Verzeihen Sie. Die Arbeit auf dem Hof macht die Hände wohl kräftiger, als man denkt.“

Gemeinsam gingen sie in das Bauernhaus.

In der großen Küche baten Friedrich und seine Frau den Gast an den schweren Esstisch.

Nach der Wanderung war der Oberlehrer für ein Glas frisches Wasser dankbar.

Er trank einen langen Schluck.

„Das tut gut.“

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Nachdem er den Becher abgestellt hatte, erklärte der Oberlehrer sein eigentliches Anliegen.

„Ich würde gern mit einigen Schülern den Kohlenmeiler besuchen.“

Friedrich hörte aufmerksam zu.

„Die Kinder sollen sehen, wie ein Köhler arbeitet, warum der Meiler ständig überwacht werden muss und wie viel Erfahrung dieses Handwerk verlangt.“

„Ich denke, die Schüler werden sich ordentlich verhalten.“

Der Oberlehrer lächelte.

„Und die eine oder andere Frage werden sie bestimmt haben.“

Friedrichs Frau fand die Idee gut.

„Das wird den Kindern gefallen.“

Der Oberlehrer nickte.

„Aber ohne die Erlaubnis von Max und Lucas möchte ich nicht mit ihnen dort erscheinen.“

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Lucas · Besuch aus dem Dorf

Der Oberlehrer sah Friedrich an.

„Max und Sie sind doch gemeinsam in die Schule gegangen?“

Friedrich musste sofort schmunzeln.

„Ja. Das ist viele Jahre her.“

Seine Frau lachte.

„Und besonders brav wart ihr damals wohl nicht.“

Der Oberlehrer hob die Augenbrauen.

„Man erzählt sich bis heute die Geschichte mit dem Hut.“

Friedrich lachte laut.

„Dann kennen Sie sie also.“

Max und Friedrich hatten den Hut ihres damaligen Lehrers an die Decke genagelt.

Der Vorfall lag lange zurück, noch vor der Zeit des heutigen Oberlehrers.

„Aus zwei Lausbuben sind ein Bauer und ein Zimmermann geworden“, sagte Friedrich.

„Aber auf Max konnte man sich schon damals verlassen.“

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Lucas · Besuch aus dem Dorf

Friedrich dachte einen Moment nach.

Dann machte er dem Oberlehrer einen Vorschlag.

„Kommen Sie morgen noch einmal zu uns.“

„Dann fahren wir gemeinsam mit unserer Pferdekutsche zu Max und Lucas.“

Der Oberlehrer lächelte zufrieden.

„Das ist eine gute Lösung.“

„So können wir alles in Ruhe besprechen“, sagte Friedrich.

Der Oberlehrer stand auf und bedankte sich bei beiden für die Gastfreundschaft.

Vor dem Haus setzte er seinen Hut wieder auf.

„Dann sehen wir uns morgen früh.“

„Wir erwarten Sie“, antwortete Friedrich.

Der Oberlehrer machte sich auf den Heimweg.

Der Wald empfing ihn erneut mit seiner ruhigen Stimme.

Vielleicht würden seine Schüler schon bald erfahren, dass Wissen nicht nur in Büchern zu finden war.

Manches lernte man erst draußen in der Natur.

Zwischen hohen Fichten.

Am rauchenden Kohlenmeiler.

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Ende des achten Kapitels

Besuch aus dem Dorf

Der Oberlehrer bereitet einen besonderen Unterrichtstag im Wald vor …