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Federzeichnung: Lucas und Max am Kohlemeiler
Kapitel 13

Lucas

Die letzte Wache
Lucas · Die letzte Wache

Während Max in der kleinen Holzhütte schlief, hielt Lucas die letzte Wache am Kohlemeiler.

Die Nacht war ruhig.

Noch lag Dunkelheit über dem Fichtenwald, doch am Horizont zeigte sich bereits ein erster heller Streifen. Bald würde ein neuer Morgen beginnen.

Lucas saß auf einem niedrigen Baumstamm vor dem Meiler.

Seine Hände lagen locker auf den Knien. Immer wieder wanderte sein Blick über die dunkle, von einer dünnen Rauchschicht bedeckte Oberfläche.

Der Meiler war ruhig.

Fast so, als würde auch er auf den Morgen warten.

Lucas war in Gedanken versunken.

Die letzten Wochen zogen an ihm vorbei.

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Der erste Tag im Wald.

Die Arbeit mit Max.

Das Aufbauen des Meilers.

Das Holz, das sie gemeinsam geschichtet hatten.

Die langen Stunden bei Hitze und Rauch.

Die Nächte, in denen sie den Meiler bewacht hatten.

Und die vielen kleinen Dinge, die er während dieser Zeit gelernt hatte.

Lucas atmete tief durch.

Innerlich sagte er sich:

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„Es ist schon viel geschehen.“

Er blickte zur Holzhütte hinüber.

Dort schlief sein Großvater.

Max.

Lucas musste lächeln.

Wie viel hatte er von ihm gelernt.

Nicht nur über das Köhlerhandwerk.

Auch darüber, geduldig zu sein. Eine Arbeit zu Ende zu bringen. Verantwortung zu übernehmen.

Und vielleicht hatte Max ihm noch etwas anderes beigebracht, ohne es jemals ausgesprochen zu haben:

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Dass ein Mensch manchmal einen neuen Weg einschlagen muss, wenn der alte nicht mehr weiterführt.

Lucas sah wieder zum Meiler.

Bald würde diese Zeit im Wald zu Ende gehen.

Doch noch war es nicht so weit.

Heute würde er den letzten ganzen Tag vor dem Löschen des Meilers erleben.

Und Lucas spürte, dass dieser Tag etwas Besonderes werden würde.

Doch plötzlich musste Lucas an seine Eltern denken.

Wenn im Dorf tatsächlich eine solche Aufbruchstimmung herrschte, warum sollte nicht auch seine Mutter etwas Neues beginnen?

Lucas kannte ihre Leidenschaft.

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Das Stricken.

Schon früher hatte sie immer wieder davon erzählt, wie schön es wäre, verschiedene Sorten Wolle zur Auswahl zu haben und nicht darauf angewiesen zu sein, das zu nehmen, was gerade auf dem Markt angeboten wurde.

Plötzlich entstand in Lucas’ Gedanken ein ganz bestimmtes Bild.

Ein kleiner Laden im Dorf.

Viele Regale, gefüllt mit bunter Wolle.

Rote, blaue und grüne Garne, aber auch natürliche Farben wie Braun, Grau und Creme.

Dazwischen vielleicht Körbe mit verschiedenen Garnen und Stricknadeln.

Und in einer Ecke stand ein Spinnrad.

Lucas musste lächeln.

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Das könnte genau der richtige Ort für seine Mutter sein.

Und vielleicht würde daraus sogar mehr werden als nur ein Laden.

Die Frauen aus dem Dorf könnten sich dort treffen.

Sie könnten gemeinsam stricken, Wolle aussuchen, Erfahrungen austauschen und miteinander reden.

Ein Treffpunkt der Landfrauen.

Lucas gefiel dieser Gedanke immer besser.

Er sah seine Mutter förmlich hinter einem kleinen Ladentisch stehen, umgeben von bunten Wollknäueln und dem leisen Geräusch des Spinnrades.

„Das wäre etwas für dich“, sagte er leise vor sich hin.

Dann wurde ihm bewusst, dass er seiner Mutter diese Idee unbedingt erzählen musste.

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Beim ersten Wiedersehen.

Vielleicht würde sie darüber lachen.

Vielleicht würde sie sofort sagen, dass das niemals funktionieren würde.

Aber vielleicht würde sie auch überlegen.

Lucas schaute in den langsam heller werdenden Himmel.

Es war erstaunlich, wie viele neue Möglichkeiten plötzlich entstanden.

Friedrich dachte über einen Gemüseladen nach.

Der Schlossermeister wollte ihn zurück in seine Werkstatt holen.

Und nun hatte Lucas selbst eine Idee für seine Mutter.

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Vielleicht begann sich im Dorf tatsächlich etwas zu verändern.

Und vielleicht war auch für seine Familie ein neuer Anfang möglich.

Lucas fand sich wieder am Kohlemeiler.

Er saß noch immer auf dem niedrigen Baumstamm und blickte auf die dunkle Oberfläche des Meilers. Inzwischen war es heller geworden. Die ersten Sonnenstrahlen drangen zwischen den hohen Fichten hindurch und ließen einzelne Nebelfäden über dem Waldboden sichtbar werden.

Da hörte Lucas die Tür der Holzhütte.

Max kam heraus.

Er sah sich kurz um und entdeckte seinen Enkel am Meiler.

„Frühstück!“, rief er.

Lucas stand auf und ging zur Hütte.

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Max war bereits wieder hineingegangen. Kurz darauf kam er mit dem Frühstück heraus.

Auf dem Holztisch landeten Brot und Speck.

Dazu legte Max ein Stück Käse auf das Brett.

„Den hat Friedrich gestern mitgebracht“, sagte er.

Lucas setzte sich.

„Dann hat Friedrich ja nicht nur an die vier Männer gedacht.“

Max grinste.

„Offenbar nicht.“

Lucas schnitt sich ein Stück Brot ab und legte Speck und etwas Käse darauf.

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Für einen Moment saßen die beiden schweigend am Tisch.

Hinter ihnen lag der ruhige Kohlemeiler.

Vor ihnen begann ein neuer Tag.

Und für Lucas fühlte sich dieser Morgen anders an als die vielen Morgen zuvor.

Es war der letzte Morgen, an dem sie den Meiler noch als arbeitenden Meiler vor sich hatten.

Ab übermorgen würde sich alles verändern.

Nach dem Frühstück standen Max und Lucas auf und gingen gemeinsam zum Kohlemeiler.

Der erste Schritt zum Ende ihrer Arbeit war gekommen.

Max nahm seine Meilerstange und prüfte noch einmal die Stellen, an denen Rauch aus der Oberfläche austrat. Dann deutete er auf eines der kleinen Öffnungen.

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„Hier fangen wir an.“

Lucas nahm eine Schaufel und begann, vorsichtig Erde über die Öffnung zu schieben. Der Rauch wurde schwächer und suchte sich wenig später einen anderen Weg.

Max beobachtete aufmerksam die Oberfläche des Meilers.

„Nicht zu viel auf einmal“, sagte er. „Wir müssen ihm langsam die Luft nehmen.“

Lucas nickte und arbeitete weiter.

Nach und nach verschlossen sie die ersten Rauchlöcher mit Erde. Immer wieder gingen sie einige Schritte zurück und betrachteten den Meiler.

Es war eine ruhige Arbeit, aber beide wussten, wie wichtig dieser erste Schritt war.

Max erklärte Lucas noch einmal, was nun geschehen würde.

„Wir brauchen ungefähr vierundzwanzig Stunden, bis er nicht mehr raucht.“

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Lucas sah seinen Großvater an.

„Vierundzwanzig Stunden?“

„Mindestens. Wir müssen Geduld haben.“

Max deutete auf den Meiler.

„Wir nehmen ihm jetzt nach und nach die Luft. Aber wir dürfen nicht versuchen, das Ganze zu beschleunigen.“

Lucas blickte über die dunkle Oberfläche.

Noch stieg an mehreren Stellen Rauch auf.

Aber bereits jetzt war zu erkennen, dass sich etwas verändert hatte.

Der Meiler wurde langsam ruhiger.

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Lucas nahm die Schaufel wieder auf.

„Dann haben wir heute wohl noch einiges zu tun.“

Max lächelte.

„Das haben wir.“

Beide machten sich wieder an die Arbeit.

Während Max und Lucas sich langsam um den Meiler herumarbeiteten, hörten sie plötzlich wieder Hufschläge auf dem Waldweg.

Friedrich.

Kurz darauf bog sein Pferd mit dem Holzkarren auf den Platz vor der Holzhütte.

Auf dem Wagen stand ein weiteres Wasserfass.

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Friedrich stieg vom Bock und sah zu den beiden hinüber.

„Ich habe euch, wie versprochen, noch einmal Wasser gebracht.“

Max nickte.

„Das können wir gut gebrauchen.“

Friedrich ging ein paar Schritte näher an den Meiler heran. Er betrachtete die beiden Männer, die bereits mit Erde und Schaufeln arbeiteten. An ihren Händen und Kleidern klebte der schwarze Staub.

Er wusste, was in den nächsten Tagen auf Max und Lucas zukommen würde.

Das Löschen und später das Ausräumen des Meilers würde eine schwere und vor allem schmutzige Arbeit werden.

„Ihr werdet froh sein, wenn das geschafft ist“, sagte Friedrich.

Lucas stützte sich kurz auf seine Schaufel.

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„Das glaube ich auch.“

Friedrich blickte auf die Stellen, an denen noch Rauch aus dem Meiler drang.

„Sieht aber so aus, als würde er sich noch ordentlich wehren.“

Max lächelte.

„Das darf er auch. Wir haben ihm schließlich wochenlang das Leben gelassen.“

Friedrich lachte.

„Dann passt gut auf ihn auf.“

Er ging zum Wasserfass und kontrollierte die Befestigung auf dem Wagen.

„Das Fass lasse ich hier. Wenn ihr später Wasser braucht, habt ihr es gleich zur Hand.“

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Max nickte dankbar.

„Danke, Friedrich.“

Friedrich nahm die Zügel wieder in die Hand.

„Und denk daran: Die vier Männer kommen, sobald du mir sagst, dass es losgehen kann.“

Lucas nickte.

„Wir sagen dir Bescheid.“

„Gut. Dann lasse ich euch weiterarbeiten.“

Er stieg auf den Bock.

Max und Lucas wandten sich wieder dem Meiler zu.

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Hinter ihnen setzte sich Friedrichs Pferd langsam in Bewegung.

Die Hufschläge wurden leiser und verschwanden schließlich zwischen den Fichten.

Lucas sah noch einmal zu dem Wasserfass.

Dann nahm er seine Schaufel.

Die Arbeit ging weiter.

Max und Lucas arbeiteten in aller Ruhe weiter.

Sie gingen Stück für Stück um den Kohlemeiler herum. Jedes Loch, aus dem noch Rauch austrat, musste vorsichtig mit Erde verschlossen werden.

Lucas achtete inzwischen genau darauf, wie viel Erde er auf die einzelnen Stellen gab. Max beobachtete den Meiler und gab ihm hin und wieder einen kurzen Hinweis.

„Nicht zu hastig“, sagte er. „Der Meiler braucht seine Zeit.“

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Lucas nickte und arbeitete weiter.

Langsam wurde der Rauch an den bereits verschlossenen Stellen schwächer. Der Meiler begann sich zu verändern.

Max blieb stehen und betrachtete die dunkle Oberfläche.

„Das wird eine sehr gute Holzkohle“, sagte er zufrieden.

Lucas richtete sich auf und sah seinen Großvater an.

„Das glaubst du?“

Max nickte.

„Ja. Wir haben das Holz gut gesetzt und der Meiler hat bisher genau so gearbeitet, wie er sollte.“

Lucas blickte auf den Meiler.

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Nach all den Wochen harter Arbeit war dieser Satz für ihn mehr als nur eine Einschätzung.

Es war die Bestätigung, dass sie gemeinsam gute Arbeit geleistet hatten.

Max nickte zufrieden.

„Das glaube ich auch. Und Friedrich wird die Holzkohle weit über unser Dorf hinaus verkaufen können.“

Lucas sah seinen Großvater an.

„Dann hat sich die ganze Arbeit gelohnt.“

„Das wird sich zeigen“, sagte Max mit einem kleinen Lächeln. „Aber ich bin zuversichtlich.“

Lucas blickte noch einmal über den Meiler. Wochenlang hatten sie das Holz vorbereitet, den Hügel aufgebaut und Tag und Nacht darauf geachtet, dass alles richtig lief.

Nun begann die letzte Phase.

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Und wenn Max recht hatte, würde Friedrich bald eine besonders gute Holzkohle in seinen Händen halten.

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Ende des dreizehnten Kapitels

Die letzte Wache

Friedrich wird die Holzkohle weit über unser Dorf hinaus verkaufen können.