Lucas · Kapitel 14 Zur Bibliothek
Federzeichnung am Kohlemeiler
Kapitel 14

Lucas

Der Meiler wird geöffnet
Lucas · Kapitel 14

Max und Lucas hatten die ganze Nacht durchgearbeitet.

Immer wieder waren sie um den Kohlemeiler gegangen und hatten nach den kleinen Öffnungen gesucht, aus denen noch Rauch austrat. Mit Erde verschlossen sie eine Stelle, gingen ein Stück weiter und fanden wenig später die nächste.

Die Nacht war lang gewesen.

Lucas spürte die Müdigkeit inzwischen in den Knochen. Seine Kleidung war mit Erde und Kohlestaub bedeckt, und auch sein Gesicht war wieder schwarz geworden.

Doch Max ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

Am Abend wollten sie den Kohlemeiler öffnen. Bis dahin musste er möglichst vollständig abgekühlt sein.

Wieder stieg aus einem kleinen Loch ein dünner Rauchfaden auf.

Lucas blieb stehen.

„Da ist schon wieder einer.“

Max kam langsam zu ihm.

Er betrachtete die Stelle, nahm etwas Erde und verschloss die Öffnung sorgfältig.

Dann klopfte er Lucas leicht auf die Schulter.

„Immer mit der Ruhe.“

Lucas sah seinen Großvater an.

Max lächelte.

„Ein Meiler macht nicht immer genau das, was wir wollen. Wir müssen ihn beobachten. Und wir müssen ihm Zeit geben.“

Lucas nickte.

Er wusste inzwischen, dass sein Großvater recht hatte.

Max hatte viele Meiler gesehen. Er wusste, wann man eingreifen musste – und wann es besser war, einfach abzuwarten.

Sie gingen weiter.

Hinter ihnen lag der Wald still zwischen den hohen Fichten.

Vor ihnen lag der Kohlemeiler, unter dessen Erddecke die Arbeit vieler Wochen verborgen war.

Am Abend würden sie erfahren, ob ihre Arbeit gelungen war.

Lucas sah noch einmal zu Max.

„Glaubst du, dass wir heute wirklich öffnen können?“

Max blickte auf den Meiler.

„Wenn er uns lässt.“

Lucas musste trotz seiner Müdigkeit lachen.

„Das klingt fast so, als hätte der Meiler seinen eigenen Kopf.“

Max grinste.

„Hat er auch.“

Dann nahm er seine Schaufel.

„Komm. Wir haben noch ein paar Stunden.“

Und wieder machten sich die beiden an die Arbeit.

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Lucas · Kapitel 14

Die Zeit arbeitete für Lucas und seinen Großvater.

Sie gingen weiterhin langsam um den Meiler herum und kontrollierten die letzten Rauchstellen. Doch Lucas merkte, dass die Anspannung in ihm allmählich nachließ.

Er sah zu Max hinüber.

In dessen Gesicht konnte er etwas erkennen, das ihm Sicherheit gab. Max wirkte ruhig und zuversichtlich.

Lucas wusste, was sein Großvater dachte, auch ohne dass er es aussprach:

„Alles wird gut.“

Und wenn sie weiterhin alles richtig gemacht hatten, würde Friedrich eine sehr gute Holzkohle bekommen.

Dieser Gedanke machte Lucas stolz.

Stolz auf die Arbeit, die sie gemeinsam geleistet hatten. Stolz auf seinen Großvater. Und auch ein wenig stolz auf sich selbst.

Er hatte in diesen Wochen viel gelernt.

Nicht nur das Handwerk des Köhlers.

Auch Geduld.

Und dass man manchmal einfach darauf vertrauen musste, dass sich gute Arbeit am Ende auszahlt.

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Lucas · Kapitel 14

Lucas musste noch einmal an die Kinder denken.

Der Besuch des Oberlehrers und seiner sechs Schüler war ihm in guter Erinnerung geblieben. Anfangs war er etwas angespannt gewesen. Doch schon nach den ersten Fragen hatte sich das gelegt.

Es hatte ihm richtig Spaß gemacht, den Kindern etwas über das Köhlerhandwerk zu erzählen.

Ihre Neugier hatte ihn beeindruckt. Jede Frage war anders gewesen, und Lucas hatte gemerkt, wie aufmerksam sie ihm zuhörten.

Vielleicht würden sie sich später noch an diesen Tag erinnern.

Lucas lächelte bei dem Gedanken.

Und vielleicht erzählten sie im Dorf ihren Eltern, was sie bei Max und Lucas im Wald gesehen und gelernt hatten.

Er blickte wieder zum Meiler.

Ja, dieser Tag mit den Kindern war etwas Besonderes gewesen.

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Lucas · Kapitel 14

Alles lief nach Plan.

Der Meiler wurde von Stunde zu Stunde ruhiger. Die letzten Rauchstellen wurden seltener, und auch die kleinen Rauchfäden, die immer wieder aus der Erddecke aufgestiegen waren, wurden schwächer.

Max beobachtete den Meiler lange und sagte schließlich:

„Jetzt sieht es gut aus.“

Lucas sah ihn fragend an.

Max nickte.

„Ich glaube, wir können ihn heute Abend öffnen.“

Lucas spürte, wie die Anspannung von ihm abfiel.

Nach all den Wochen harter Arbeit war dieser Augenblick zum Greifen nah.

Max sah noch einmal über den Meiler.

Er wusste aus Erfahrung: Jetzt würde es funktionieren.

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Lucas · Kapitel 14

Wie auf ein geheimes Zeichen hin hörten Max und Lucas plötzlich Hufschläge auf dem Waldweg.

Friedrich kam mit seinem Pferd und dem Holzkarren auf den Platz vor der Holzhütte gefahren.

Er stieg vom Bock und ging direkt zu Max.

„Und?“, fragte er. „Wann soll ich die vier Männer bestellen?“

Max blickte noch einmal zum Kohlemeiler. Dann sah er Friedrich an.

„Bestell die vier Männer für morgen früh.“

Friedrich nickte zufrieden.

Max fuhr fort:

„Bis dahin können wir die Holzkohle aus dem Meiler holen und in die Papiersäcke füllen. Dann sind die Männer morgen gleich zur Stelle, wenn wir die Arbeit richtig aufnehmen.“

Lucas hörte aufmerksam zu.

Jetzt wurde es ernst.

Der Meiler würde heute Abend geöffnet werden – und schon am nächsten Morgen begann die nächste große Arbeit.

Friedrich lächelte.

„Dann mache ich mich gleich auf den Weg. Die vier können morgen früh kommen.“

Max nickte.

„Gut. Dann haben wir einen Plan.“

Lucas blickte zum Meiler.

Zum ersten Mal konnte er sich vorstellen, dass diese lange Arbeit tatsächlich bald abgeschlossen sein würde.

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Man merkte jetzt doch eine gewisse Spannung über dem Platz und zwischen den Männern.

Auch wenn Max ruhig blieb, wussten alle drei, dass nun der entscheidende Moment näher kam.

Friedrich blickte noch einmal zum Kohlemeiler. Er hatte das Holz gebracht und wusste, wie viel Arbeit darin steckte. Jetzt wollte er natürlich wissen, ob daraus eine gute Holzkohle geworden war.

Auch Lucas spürte die Spannung.

So oft hatte er in den vergangenen Wochen über diesen Augenblick nachgedacht. Nun war er tatsächlich gekommen.

Max dagegen wirkte weiterhin gelassen.

Er sah seine beiden Männer an und sagte mit einem ruhigen Lächeln:

„Wir haben alles getan, was wir tun konnten. Jetzt schauen wir, was der Meiler uns gibt.“

Für einen Moment sagte niemand etwas.

Nur das leise Knarren des Holzkarrens und das Schnauben von Friedrichs Pferd waren zu hören.

Dann nahm Friedrich die Zügel in die Hand.

„Dann sehen wir uns morgen früh.“

Max nickte.

Lucas blickte seinem Großvater nach.

Die Spannung blieb.

Aber darunter lag auch etwas anderes:

Zuversicht.

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Lucas · Kapitel 14

Am Abend war es endlich so weit.

Max und Lucas standen vor dem Kohlemeiler. Die letzten Rauchfäden waren fast verschwunden, und die Oberfläche des Meilers war ruhig geworden.

Max nahm seine Schaufel und begann vorsichtig, an einer Stelle die Erddecke abzutragen.

Schicht für Schicht kam zum Vorschein, was sich in den vergangenen Wochen unter der Erde entwickelt hatte.

Max hielt inne.

Er griff mit der Hand nach einem der ersten Kohlestücke und drehte es im Licht des Abends.

Lucas beobachtete seinen Großvater gespannt.

Max sah das Stück Kohle noch einmal genau an. Dann blickte er zu Lucas herüber.

Ein zufriedenes Lächeln erschien auf seinem Gesicht.

„Perfekt.“

Lucas trat näher.

Für einen Augenblick sagte keiner der beiden etwas.

Sie wussten beide, was dieses eine Wort bedeutete.

Ihre Arbeit hatte sich gelohnt.

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Lucas · Kapitel 14

Langsam arbeiteten sie sich weiter voran.

Mit jeder geöffneten Stelle kam mehr von der schwarzen Holzkohle zum Vorschein. Max nahm die Stücke vorsichtig heraus und legte sie beiseite, während Lucas immer besser wusste, worauf er achten musste.

Die Kohle war fest und trocken.

Immer wieder sahen sich die beiden an.

Ihre Zufriedenheit wurde von Minute zu Minute größer.

Auch Lucas spürte, wie sein Selbstbewusstsein wuchs. Er hatte inzwischen gelernt, die Zeichen des Meilers zu verstehen und wusste, dass er gemeinsam mit Max etwas wirklich Gutes geschaffen hatte.

Max bemerkte die Veränderung bei seinem Enkel.

Er sagte nichts, aber sein zufriedenes Lächeln verriet, dass auch er stolz auf Lucas war.

Gemeinsam arbeiteten sie weiter.

Der Meiler gab langsam sein Geheimnis preis.

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Lucas · Kapitel 14

Immer weiter räumten sie den Meiler aus.

Stück für Stück kam die Holzkohle zum Vorschein. Max prüfte immer wieder einzelne Stücke und nickte zufrieden. Die Qualität war ausgezeichnet.

Lucas nahm die Kohle vorsichtig heraus und legte sie neben dem Meiler ab. Mit jeder Schaufel wuchs der Haufen.

Beide Männer spürten die Zufriedenheit über das, was sie geschaffen hatten.

Kurz bevor es dunkel wurde, beschlossen sie, für heute Schluss zu machen.

Sie waren müde, ihre Kleidung war voller Erde und Kohlestaub, aber keiner von beiden störte sich daran.

Gemeinsam gingen sie zur Holzhütte.

Dort setzten sie sich an den Holztisch und machten sich ihr Abendessen.

Für einen Moment war es still.

Nach diesem langen Tag genossen sie einfach die Ruhe.

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Lucas · Kapitel 14

Nach dem Abendessen ging Lucas noch einmal hinaus.

Er wollte einen kurzen Weg durch den Fichtenwald gehen, bevor sie sich für die Nacht zurückzogen. Die frische Waldluft tat ihm gut. Nach diesem langen und anstrengenden Tag brauchte er ein wenig Ruhe.

Er ging ein Stück den schmalen Waldweg entlang, bis die Holzhütte zwischen den Bäumen kaum noch zu sehen war.

Dann blieb er stehen.

Lucas griff unter sein Hemd und holte die kleine Holzfigur hervor. Er hielt sie vorsichtig in seiner Hand und betrachtete sie im letzten Licht des Tages.

Marie.

Wie oft hatte er in den vergangenen Wochen an sie gedacht.

Er schloss für einen Moment die Hand um die kleine Figur.

„Ich hoffe, wir sehen uns bald“, sagte er leise.

Dann steckte er die Holzfigur wieder unter sein Hemd.

Lucas blieb noch einen Augenblick stehen und lauschte dem Wald.

Vielleicht würde die Zukunft tatsächlich etwas bereithalten, mit dem er heute noch nicht rechnete.

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Ende des vierzehnten Kapitels

Der Meiler wird geöffnet

„Ich hoffe, wir sehen uns bald“, sagte Lucas leise.