Lucas · Kapitel 15 Zur Bibliothek
Federzeichnung der Männer am Kohlemeiler
Kapitel 15

Lucas

Der große Arbeitstag
Lucas · Der große Arbeitstag

Kurz vor Sonnenaufgang saßen Max und Lucas am Holztisch und frühstückten ausgiebig. Beide wussten, dass ein harter, vor allem aber schmutziger Tag vor ihnen lag. Lange würde es nichts zu essen geben. Deshalb sagte Max zu Lucas, dass er ordentlich essen solle. Wichtig sei vor allem, genügend Wasser zu trinken. Lucas nickte. Sie würden heute jede Kraft brauchen.

Der Eichelhäher schimpfte lautstark in den Fichten. Dann hörten Max und Lucas Schritte und Stimmen. Männer kamen über den Waldweg durch den Wald auf den Platz zu. Max sah zu ihnen hinüber und war beruhigt. Die vier Männer trugen Schaufeln und Gabeln über den Schultern. Auch ihre Kleidung war dem bevorstehenden Arbeitstag angepasst. Sie wussten offenbar, was auf sie zukam. Friedrich hatte sie bestimmt gut vorbereitet.

Max und Lucas begrüßten die vier Männer und bedankten sich noch einmal dafür, dass sie sich bereit erklärt hatten, ihnen zu helfen. Max erklärte seine Zwei-Mann-Strategie. Immer zwei Männer sollten zusammenarbeiten. Einer holte die Holzkohle aus dem Meiler, während der andere sie anschließend in die Papiersäcke füllte. Nach einigen Durchgängen wurde gewechselt. So musste nicht immer derselbe Mann in den Meiler steigen. Die vier Männer nickten. Jeder wusste nun, was zu tun war.

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Lucas · Der große Arbeitstag

Sie begannen langsam mit der Arbeit, damit sich alle an die Belastung gewöhnen konnten. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit ging die Arbeit schneller von der Hand. Die Männer kamen ordentlich ins Schwitzen. Ihre Gesichter und ihre Kleidung wurden langsam schwarz vom Kohlestaub. Max beobachtete die Männer und merkte, dass die Anstrengung zunahm. Schließlich sagte er: „Pause.“ Alle legten ihre Werkzeuge zur Seite. Sie mussten eine Weile durchatmen und vor allem Wasser trinken.

Einer der Männer nahm einen kräftigen Schluck Wasser und blickte zu den anderen. „Wir leben sehr gerne im Dorf“, sagte er. „Dort herrscht eine tolle Dorfgemeinschaft und jeder hilft jedem.“ Er sprach von der Zukunft des Dorfes. Es würden Geschäfte und Handwerksbetriebe eröffnet werden. Auch der Bau der Zehntscheuer sei ein gutes Zeichen. „Junge Menschen gründen Familien“, sagte er. „Denn es ist Arbeit vorhanden.“ Lucas hörte aufmerksam zu. Diese Worte machten ihm Mut.

Dann gingen die Männer wieder an die Arbeit. Sie hatten schon viel Holzkohle aus dem Meiler herausgeholt, aber noch immer lag eine große Menge im Inneren. Plötzlich hörte Max Hufgeklapper vom Waldweg herüber. Er hielt kurz inne und lauschte. Dann sagte er: „Friedrich.“ Friedrich lenkte sein Pferdegespann auf den Platz. Heute hatte er einen größeren Wagen angespannt. Schließlich wollte er viele Säcke mit Holzkohle mitnehmen. Er begrüßte die Männer und klopfte jedem anerkennend auf die Schulter. Bei jedem staubte eine kleine Wolke schwarzen Kohlestaubs aus dem Hemd. Die Männer lachten. Friedrich ebenfalls.

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Friedrich ging zum Meiler und sah sich die fertige Holzkohle an. Er nahm einige Stücke in die Hand und betrachtete sie genau. Sein Gesicht hellte sich auf. Die Holzkohle war genau so geworden, wie Max es erwartet hatte. Friedrich blickte zu Max. „Wie versprochen, danke.“ Max nickte zufrieden. Auch Lucas war stolz. Die viele Arbeit hatte sich gelohnt.

Die Männer arbeiteten bis zum Abend weiter. Friedrich lud währenddessen die gefüllten Säcke auf seinen großen Anhänger. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit war es geschafft. Die gesamte Holzkohle war aus dem Meiler geräumt und in die Papiersäcke gefüllt. Alle Säcke wurden auf den Anhänger verladen. Es wurden schließlich doch mehrere Schichten. Die Männer waren müde und schwarz vom Kohlestaub, aber die Arbeit war geschafft.

Die Männer setzten sich an den Holztisch. Lucas brachte Brot, Speck und Käse. Nach diesem langen Arbeitstag sollten alle noch einmal kräftig essen. Friedrich stellte das kleine Wasserfass auf den Tisch und schenkte den Männern ein. Für einen Augenblick war die schwere Arbeit vergessen. Sie aßen gemeinsam und ließen den Tag ruhig ausklingen. Max sah in die Runde und war zufrieden. Gemeinsam hatten sie etwas geschafft.

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Nach dem Essen wollte sich Friedrich verabschieden. Er bot den vier Männern an, sie ein Stück auf dem Anhänger durch den Waldweg mitzunehmen. Dann wäre der Weg ins Dorf nicht mehr ganz so weit. Die vier Männer waren für den Vorschlag dankbar und stimmten zu.

Friedrich machte sein Pferdegespann bereit. Max und Lucas blieben noch eine Nacht beim Kohlemeiler. Aus Sicherheitsgründen wollten sie erst am nächsten Morgen endgültig gehen. Beide freuten sich schon auf eine Nacht ohne Rauchgeruch. Als Friedrich mit den vier Männern langsam den Waldweg hinunterfuhr, wurde es still auf dem Platz. Lucas blieb noch einen Augenblick stehen. Dann fasste er unter sein Hemd und nahm die Holzfigur von Marie in die Hand. Er schloss seine Finger um die vertraute Figur. „Wir haben es geschafft“, sagte er leise vor sich hin. Dann blickte er in den dunkler werdenden Fichtenwald. Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte sich Lucas einfach nur zufrieden.

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Ende des fünfzehnten Kapitels

Der große Arbeitstag

„Wir haben es geschafft“, sagte Lucas leise.